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Feuerwehrwesen   Kreisbrandmeister Carsten Schlung tritt zurück
14.05.2013 von Florian Bergien


Carsten Schlung : Nach vier Jahren Entlassung aus dem Ehrenbeamten-Verhältnis beantragt



SchlungCarstenDie Kreisfeuerwehr steht vor einem einschneidenden Wechsel: Kreisbrandmeister Carsten Schlung aus Bassum hat seine Entlassung aus dem Ehrenbeamten-Verhältnis beantragt – sprich seinen Abschied als Kreisbrandmeister und „Chef“ der rund 5 000 aktiven Feuerwehrkräfte im Landkreis.
„Den Ausschlag hat der Arbeitsplatz-Wechsel meines Kollegen gegeben“, erklärt der 49-Jährige auf Anfrage.
Der trete zum 1. Juli eine neue Stelle in Bremen an, was mit Veränderungen an seinem eigenen Arbeitsplatz verbunden sei.
Der scheidende Kreisbrandmeister arbeitet als Brandschutzprüfer beim Landkreis Diepholz und ist zuständig für den Nordkreis. „Das mache ich gern und diese Aufgabe möchte ich noch bis zum Rentenalter ausfüllen dürfen“, sagt Schlung. Außerdem wolle er mehr Zeit mit seiner Familie verbringen.
Denn: „Das Amt des Kreisbrandmeisters fordert einen nicht nur am Abend und an den Wochenenden.“
Genau deshalb waren mit seinem Amtsantritt als Kreisbrandmeister die Weichen im Kreishaus neu gestellt worden.

Damit Schlung seiner Funktion als Verantwortlicher einer Ehrenamts-Organisation mit 119 Ortswehren in 15 Städten und Gemeinden voll gerecht werden
kann, hatte der Landkreis einen weiteren Brandschutzprüfer mit halber Stelle eingestellt – besagten Mitarbeiter, der nun nach Bremen wechselt.
Spätestens im kommenden Jahr hätte er sich positionieren müssen, so Schlung, ob er 2015 für eine weitere, sechsjährige Amtsperiode als Kreisbrandmeister zur Verfügung stehe.
Der 49-Jährige war 2009 – nach dem überraschenden Tod von Kreisbrandmeister Wilfrid Borgstedt – mit 129 von 129 Stimmen in offener, schriftlicher Wahl zum Chef der Feuerwehr im Landkreis gewählt worden.

Eine weitere Periode wäre ohne Unterstützung wie bisher, also ohne die Einstellung eines neuen Teilzeit-Prüfers, kaum denkbar.
Sie ist aber nicht mehr notwendig:
Nach seinem Rücktritt füllt Schlung seine Brandschutzprüfer-Stelle in Vollzeit aus. Damit ist allerdings auch ein Modell Geschichte, das Adolf Wilkens
(dritter Kreisbrandmeister vor Carsten Schlung) als optimale Kombination vorgelebt hatte: Im Beruf Brandschutzprüfer und im Ehrenamt Kreisbrandmeister.
Stellt sich also die Frage: Führten Frust und Auseinandersetzungen innerhalb der Kreisfeuerwehr zum Rücktritt? „Natürlich gibt es immer wieder Reibungspunkte und Probleme, für die man in den meisten Fällen Lösungen gefunden hat.
Aber der Weg dorthin wird immer steiniger“, antwortet Schlung auf diese Frage.
Und fügt hinzu: „Wenn viele an Lösungen mitwirken wollen, wird es extrem aufreibend.
Denn es gibt immer wieder einige, die mit dem Ergebnis nicht einverstanden sind. Das ist dann der nächste Stressfaktor.“ Hinzu kämen eine Vielzahl
von gesetzlichen Änderungen und Themen, die von der Feuerwehr aufgefangen werden müssten. Diese ehrenamtliche Organisation müsse trotz alledem die Sicherheit für die 200 000 Bürger im Landkreis Diepholz gewährleisten. Dafür stehe der Kreisbrandmeister in der Verantwortung gegenüber dem Landkreis als Träger dieser Organisation und natürlich auch gegenüber den Bürgern.

Über Schlungs Entlassungsgesuch aus dem Ehrenbeamten-Verhältnis entscheidet der Kreisausschuss am Freitag. Gibt er dem Rücktritts-Wunsch statt,
übernimmt der stellvertretende Kreisbrandmeister Dieter Berg das Ruder in der Kreisfeuerwehr. Die kennt er gut, immerhin ist Berg seit 2009 Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbands, sprich der „Gewerkschaft“ der Löschkräfte. Gemeinsam mit dem 2. stellvertretenden Kreisbrandmeister Michael Wessels und sicherlich im Dialog mit den 15 Stadt- und Gemeindebrandmeistern im Landkreis wird er die Weichen dafür stellen müssen, dass sie gemeinsam
mit den 119 Ortsbrandmeistern im Landkreis einen neuen „Chef“ wählen können – als Vorschlagswahl.

Denn über die Ernennung entscheidet am Ende der Kreistag.
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